Gemeindebrief Oktober 2020-Januar 2021

26. Oktober 20 | Gemeindebrief

„Ja, aber…“

Wir leben in schwierigen Tagen mit drohender Ansteckungsgefahr, wirtschaftlicher Unsicherheit, „social distancing“ und vielen Einschränkungen. Zugleich finden wir als Gemeinde kreative Wege, um Gemeinschaft aufzubauen und zu pflegen. Ich finde das richtig gut. Digitale Übertragungen, Live-Stream, ZoomBesprechungen und Videoanrufe sind zu einer wichtigen Kommunikationsmöglichkeit geworden. Toll, wie selbst Whats-App-Gebets-gruppen gegründet wurden. Menschen sind auf Beziehung angelegt. Menschen wollen und müssen sich mitteilen können – auch und gerade in Zeiten der Pandemie. Richtig gut, dass wieder Präsenzgottesdienste gefeiert werden und unsere Jugendgruppen und Kinderchor sich wieder treffen.

In Bezug auf den Umgang mit der Krise erlebe ich unterschiedliche Reaktionen. Die einen erinnern sich trotz aller Einschränkung an die Güte Gottes und danken IHM. Andere neigen eher zu einem enttäuschten, verzagten: „Ja, aber…“. Welcher Ansatz ist der richtige? Sollen wir auf das Gute schauen, uns vergegenwärtigen wie Gott uns behütet und gesegnet hat? Oder sollen wir uns von schlimmen Szenarien bestimmen lassen, unserem Unverständnis, unserem Frust und unser Wut Ausdruck verleihen? Das Liederbuch Gottes, die Psalmen, verwendet beide Ansätze. Viele der Psalmen sind Klagelieder.
Die Beter sagen Gott sehr genau, was sie nicht verstehen. Sie verwenden oft wütende, verzweifelte, anklagende Worte – bei Gott klagen ist erlaubt! Andere Psalmen loben und preisen Gott. Sie erinnern an all das Gute, das ER getan hat, ohne „ja, aber“ zu sagen.


Psalm 78 gehört mit seinen 72 Versen zu einem der längeren Psalmen. In ihm finden sich beide Ansätze. Es wird an die Geschichte Israels erinnert. Das Volk musste schwere Not- und Krisenzeiten über sich ergehen lassen. Doch zugleich erinnert der Beter pointiert an die großen Dinge, die Gott getan hat. Trotz des Ungehorsams Israels „führte ER sein Volk wie eine Herde von Schafen und leitete sie auf dem Weg durch die Wüste. ER führte sie sicher, sie hatten nichts zu fürchten“ (Ps 78,52f; Gute Nachricht Bibel).


Unser Leben im hier und jetzt bleibt ungewiss. Die einzige Konstante ist der lebendige Gott. ER verspricht uns seine Hilfe, Leitung und Beistand. Wer diese große Wahrheit erkennt und annimmt wird zu einem Agenten des Friedens Gottes und
nicht der Panik.


Wie reagierst du, in der Krise? Welche Auswirkungen hat dein Verhalten auf andere? Welche Klagen willst du heute mit Gott teilen? Wofür kannst du IHN loben? Ich erbitte für uns alle ein uneingeschränktes, vertrauensvolles „JA“ gegenüber dem Vater im Himmel.


Euer Theo Jetter

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